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2. April 2025 | 10:55 Uhr
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Warum häufige Jobwechsel nicht immer schlecht sind

Schnelle Jobwechsel ruinieren den Lebenslauf und machen Arbeitgeber misstrauisch. Diese Auffassung ist weit verbreitet. Doch stimmt sie auch? Nicolai Kranz (Foto), Interims-Personalchef für Krankenhäuser, ermuntert zu einer differenzierten Betrachtung – es kommt eben ganz drauf an, meint der Jurist.

Kranz Nicolai Foto privat

Job-Hopper können frischen Wind in ein Unternehmen bringen, meint Nicolai Kranz

"Viele jüngere Personalleiter, die so Ende 30 sind, sehen das nach meiner Beobachtung inzwischen entspannter", sagt Kranz. "Bei den Älteren, den Babyboomern, ist die Nibelungentreue sicherlich noch eher gefragt. Aber auch unter ihnen finden sich immer mehr, die Flexibilität durchaus akzeptieren. Da zähle ich mich, der ich nun auch schon Ende 50 bin, durchaus dazu."  

Ärzte, Hotelfachkräfte, Friseure und Ingenieure seien beispielsweise Berufsgruppen, die oft ihren Arbeitgeber wechseln. Die möchten möglichst viel Erfahrung sammeln und finden sich in jedem Arbeitsumfeld schnell zurecht. Für die Qualität ihrer Arbeit sei nicht entscheidend, wie lange sie schon bei einem bestimmten Arbeitgeber beschäftigt sind. 

Stabile Verbindungen sind für Führungskräfte wichtig – einerseits...

"Anders ist das bei Jobs, die auf Netzwerke außerhalb und innerhalb des Unternehmens angewiesen sind: bei Führungskräften etwa oder auch bei Personalbetreuern", sagt Kranz. Da zahle es sich häufig aus, wenn man dem Unternehmen verhaftet ist und auf stabilen Verbindungen aufbauen kann. Denn es gehe darum, langfristig etwas aufzubauen, da brauche man eine breite Vertrauensbasis.       

"Manchmal ist es aber gerade von Vorteil, wenn man im Unternehmen nicht allzu sehr verhaftet ist. Die Erfahrung mache ich gerade als Interimsmanager: Ich bin unbefangen und kann gut neue Impulse setzen. So etwas ist schwieriger, wenn man seit Jahren mit den Kollegen zusammenarbeitet. Dann fühlt man sich viel mehr verpflichtet, Rücksicht zu nehmen", sagt Kranz.

Wo frischer Wind nötig ist, sind Job-Hopper oft eine gute Wahl

Aus Sicht der Geschäftsführung könne es manchmal durchaus sinnvoll sein, eine Führungsposition mit einer Person zu besetzen, die schon in vielen Unternehmen gearbeitet hat und eine gewisse Unabhängigkeit besitzt: Sie ist eher in der Lage, frischen Wind in ein Unternehmen zu bringen. Das kann wünschenswert sein, etwa, wenn die Führungsebene unterhalb der Geschäftsführung zu sehr zu einer eingeschworenen Gemeinschaft geworden ist, die sich wie eine Phalanx jeder Veränderung entgegenstellt. 

"Auch wenn man neue Wege gehen muss, weil die finanzielle Situation des Unternehmens angespannt ist, zeigt eine Führungskraft, die schon Unternehmen in verschiedenen Situationen erlebt hat, oft größere Flexibilität, sie ist möglicherweise aufgeschlossener gegenüber einer Restrukturierung als lang gediente Führungskräfte, die vielleicht nie wirklich stürmische Zeiten erlebt haben", sagt Kranz.   

Job-Hopper können gut eingespielte Teams auch durcheinanderbringen 

Andererseits: Es gebe auch eingeschworene Mannschaften, die sehr gut zueinanderpassen und eine enorme Kraft entfalten können. "Das Thema ist zweischneidig: Job-Hopper können frische Impulse setzen, aber ein gut aufeinander eingespieltes Team auch durcheinanderbringen. Als Arbeitgeber muss man sich gut überlegen, ob man solch eine Person ins Unternehmen holt", sagt Kranz. Und ein Job-Hopper tue natürlich gut daran, von Zeit zu Zeit zu überlegen, ob ihm das Unbeständige wirklich Spaß oder doch zu viel Stress bereitet. "Und vielleicht ist man irgendwann auch soweit, dass man gern auch mal wieder etwas nachhaltiger arbeiten, sprich, Spuren hinterlassen möchte."

Kirsten Gaede   

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